POLITIK
19/12/2018 21:45 CET | Aktualisiert 19/12/2018 21:50 CET

Trump lässt Erdogan in Syrien freie Hand – und erntet vernichtende Kritik

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Anadolu Agency via Getty Images

► Die USA haben damit begonnen, ihre Soldaten aus Syrien zurückzuziehen. Das gab das Weiße Haus am Mittwoch in Washington bekannt.

Präsident Donald Trump schrieb bei Twitter: “Wir haben den IS in Syrien geschlagen, das war der einzige Grund, während der Trump-Präsidentschaft dort zu sein.”

► Nach einem Rückzug der US-Truppen könnte der Weg frei werden für eine neue Militäroffensive der Türkei. Die Regierung in Ankara droht schon seit langem mit einer weiteren Operation gegen die YPG.

Erst in der vergangenen Woche hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Offensive angekündigt, am Montag verkündete er die militärische Bereitschaft. Seinen Worten zufolge will die Türkei aktiv werden, um dort die Menschen “vor der separatistischen Terrororganisation” YPG zu retten”.

Zum Hintergrund: Trump lässt Erdogan in Syrien freie Hand – und erntet vernichtende

Die YPG war in den vergangenen Jahren der wichtigste Partner der USA in Syrien im Kampf gegen den IS gewesen. 

Die Türkei sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb. Bereits im Frühjahr hatten türkische Truppen und verbündete Rebellen im Nordwesten Syriens die Region um die Stadt Afrin von den Kurden erobert.

 

Deshalb gibt es scharfe Kritik: Trump lässt Erdogan in Syrien freie Hand – und erntet vernichtende

Der Journalist und Syrien-Experte Ragip Soylu beurteilte den US-Abzug als entscheidenden Sieg für die Türkei, die nun im Nordosten Syriens alleine die Strippen ziehen könne. 

Die “Guardian”-Journalistin Bethan McKernan machte auf die möglicherweise fatalen Folgen für die kurdische Bevölkerung im Norden des Landes aufmerksam, die dort eine Selbstverwaltung errichtet hat.

► Eine groß angelegte türkisch geführte Offensive könnte die Kurden weiter in Richtung Süden treiben, in Regionen, die teilweise weiter vom IS kontrolliert würden.

“New York Times”-Kolumnist Bret Stephens kritisierte: “Ein Geschenk an den Iran, die Hisbollah und Putin. Und ein schändlicher Verrat an unseren kurdischen Verbündeten, ohne die wir den IS nicht besiegt hätten.”

Auch aus seiner eigenen Partei ernten Trump scharfe Kritik. Senator Marco Rubio nannte die Entscheidung einen “schrecklichen Fehler”, der die Regierung und die USA über Jahre hinweg verfolgen werde.

► Der IS, Hisbollah und der Iran würden vom US-Abzug profitieren, für Israel sei er ein großes Risiko.

Mit Material der dpa.