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07/03/2019 14:14 CET | Aktualisiert vor 14 Minuten

"Stern-TV" deckt Behördenversagen auf: Der Missbrauchsskandal von Lügde

Trotzt mehrerer Hinweise tat die Polizei nichts.

HuffPost / Deutschland
Andreas V. hat über 28 Jahre hinweg minderjährige Mädchen missbracht.
  • Ein Missbrauchsskandal erschüttert Deutschland: Andreas V. soll mehr als 30 Mädchen missbraucht haben.
  • Immer wieder wurden Anzeigen aufgegeben, doch die Polizei machte nichts.

Über 28 Jahre hinweg habe ein Mann aus Lügde in Nordrhein-Westfalen mehr als 30 minderjährige Mädchen, meistens im Alter von acht oder neun Jahren, missbraucht. Das Absurde an dem Fall: Erst jetzt wurde Andreas V., der mutmaßliche Täter, verhaftet. Und das, obwohl über Jahre hinweg immer wieder Anzeige gegen ihn erstattet worden ist.

Vermutet wird ein Behördenskandal in den sowohl Jugendamtmitarbeiter, als auch Polizisten verwickelt sein sollen.

Ein Team der RTL-Sendung “Stern TV“ hat einige Opfer und Elternteile getroffen.

Screenshot / SternTV
Auf diesem abgesperrten Campingplatz wohnte Andreas V. mit Pflegetocher Mia.

Andreas V. suchte erstes Opfer im Jahr 1991

Sein erstes Opfer habe sich Andreas V. bereits 1991 gesucht. Michaela Vandieken war damals elf Jahre alt. Ihr Vater war mit ihrem Peiniger befreundet.

Andreas V. hatte sie nicht nur auf einem Campingplatz, sondern auch in ihrem Elternhaus sexuell missbraucht, erklärt sie im Interview mit “Stern TV”. Doch ihr Vater glaubte ihr damals nicht. Die Mutter wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte.

2002 ging dann ein erster Hinweis von einem anderen Opfer bei der Polizei ein, 2008 ein weiterer. Trotzdem passierte nichts.

Jugendamt gibt Pflegekind in die Hände eines Pädophilen

2016 bekam Andreas V. sogar ein Pflegekind vom Jugendamt – die heute neun Jahre alte Mia. Seitdem wurde sie regelmäßig von ihm auf dem Campingplatz, wo er lebte, missbraucht.

Ihre Tante sagt in der Sendung, dass sie ab und zu nach dem Kind sah. Dabei habe sie bemerkt, dass Mia sich verändert hätte. Zu Hause wollte das Mädchen zum Beispiel seine Straßenklamotten nicht mehr ausziehen, um einen Pyjama anzuziehen. Die Tante habe sich dabei jedoch nichts Böses gedacht.

Screenshot / RTL
Jens Rustitska spricht darüber, dass auch seine Tochter von Andreas V. belästigt worden sei.

Auch Jens Rusitska spricht bei “Stern TV”.

Seine Tochter wurde ebenfalls von Andreas V. belästigt, erzählt er. Auf einem Kindergeburtstag ist die Situation eskaliert: 

“Er nahm er meine Tochter auf die Schultern und sagte ihr, sie solle den Rock mal weg nehmen am Hals. Als ich ihn fragte, warum sie das machen soll, sagte er, er hat ‘ gerne kleine feuchte Mösen am Hals ’“.

Rusitska habe rot gesehen, prügelte auf Andreas V. ein. Er ging damit zur Polizei, doch wieder passierte nichts. Der Vater kann im Gespräch seine Tränen nicht mehr zurückhalten.

Beweismaterial verschwunden – Andreas V. könnte mit milden Strafen rechnen

Eine Mutter, deren Tochter ebenfalls missbraucht wurde, zeigte Andreas V. an. Er wurde daraufhin verhaftet. 

Roman von Alvensleben, der Anwalt der Mutter, kritisiert das späte Eingreifen: 

“Ich halte das für ein Versagen der Behörden. Das muss man ganz klar sagen. Ich vertrete ein junges Mädchen, dem dieses ganze Leid hätte erspart werden können, wenn da vernünftig und aufmerksam gearbeitet worden wäre.“

150 CDs mit kinderpornographischen Inhalten seien aus dem Polizeipräsidium verschwunden. Die Filme habe Andreas V. selbst gedreht. Sollte das Beweismaterial nicht auftauchen, könnten Andreas V. mildere Strafen erwarten, heißt es im “Stern TV”-Bericht.

Zwei weitere mutmaßliche Mittäter wurden verhaftet. 14 Behördenmitarbeiter des Jugendamtes und der Polizei sollen in den Skandal involviert sein. 

Der Fall in Lügde lässt einen sprachlos zurück. Und die Frage, wie ein solches Behördenversagen in Deutschland passieren konnte, bleibt offen.

(jr, nr)